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- Leseprobe
Der Hasenbalg, besser, das was von ihm noch geblieben war nach den Wochen des Reifens, wurde vorläufig sogar von unseren Hunden vernachlässigt. Es hielt eine Zeitlang an, dass wir ihn im Misthaufen entsorgten, was zur Folge hatte, dass er von den Hunden wieder ausgebuddelt wurde und noch einen gehörigen Zeitraum für ein gepflegtes Aasaroma in seinem Dunstkreis sorgte. Eines Tages war er verschwunden. Über den Verbleib brauchten wir uns nicht allzu lange den Kopf zu zerbrechen. Flink, ein Welpe, der dazu auserkoren war, die Ausbildung eines Hütehundes zu durchlaufen, hatte finale Nachsuche gehalten und sich das stinkende Balgstück einverleibt. Das wäre an sich nicht dramatisch. Natürlich hatte er sich maßlos übernommen und sah vollgeludert aus wie eine kleine Kanonenkugel. Auch das wäre noch nicht schlimm gewesen. Nein! Wirklich schlimm war, dass er, wie alle Welpen, zur Mittagszeit unter dem Küchentisch vor Großvaters Füßen Platz genommen hatte. Da dem, wie wir ja wissen, nicht Geruchsempfindlichen Opa zur Mittagszeit wohl doch an frischer Atemluft zu seinen Bratkartoffeln gelegen war, schob er den kleinen Rüden mit seinem linken Fuß sacht in Richtung Wohnzimmertür. Das hätte er nicht machen sollen. Die Tür zu diesem Heiligtum war nur angelehnt und schwupp war Flink in der guten Stube. Keiner hat das in diesem Moment bemerkt. Nun muss man wissen, dass die so genannte „gute Stube“ damals nur zu hohen kirchlichen Feiertagen, runden Geburtstagen, Jubiläen, Trauerfeiern und ähnlich aufregenden Terminen benutzt wurde. Die Bude war der Stolz der Hausfrau und das, was der kleine Flink sich da gerade erlaubte, wurde mindestens mit einer ordentlichen Tracht Prügel geahndet. In dieser Stube lag unter dem eichenen Tisch und Gestühl ein Teppich. Nicht nur, weil er der einzige in diesem Haushalt war, kam ihm besondere Pflege und Wertschätzung zu. Er war der Stolz und das liebste Stück der lieben Oma. Sicher war er nicht sehr wertvoll, aber er verlieh dem Raum das gewisse Etwas. Just diesen Teppich hatte sich nun der kleine Rüde ausgesucht, um seinen Furchterregenden Blähungen, durchsetzt mit halbflüssiger Beigabe, den richtigen Untergrund zu geben. Als die ekelhaften Winde aus der Stube in den Küchentrakt säuselten, sah sich die Oma veranlasst, nach dem Grund zu forschen. Mit einem Aufschrei, der im Umkreis von hundert Meilen jeden Schläfer geweckt haben dürfte, flog erst die Stubentür auf, dann flog Flink hinterher und die wutschnaubende Oma machte das Schlusslicht. Na, ja, der Rüde hat das überlebt Aber nur, weil er am Ende seines unfreiwilligen Gleitfluges akkurat unter den langen Beinen des Großvaters landete. Dort war er vor der auf Rache sinnenden Chefin des Hauses sicher. Auch nachdem die Oma kundtat, was der Auslöser dieses Anfalles war. Dass der immer noch seelenruhig Bratkartoffeln inhalierende Opa dabei in anhaltendes, dröhnendes Lachen verfiel, trug nicht dazu bei, die Sache kurzfristig zu beenden. Währenddessen lag Flink in bis zu diesem Zeitpunkt ungeübter Down-Stellung und lauerte auf das Ende dieses Gewitters. Meines Wissens hat er in späteren Jahren, als Herr und Hund gleich alt waren und der Behaglichkeit der guten Stube bedurften, strikt den Bereich der frevlerischen Tat gemieden. Der Teppich bekam eine Grundreinigung und musste zum Entreifen einige Zeit auf die Teppichstange in Quarantäne. Nicht eingeweihter Besuch hat, vorausgesetzt, er hatte eine gute Nase, ab und zu einmal zwar leicht verwirrt hörbar die Nüstern aktiviert, um dann nach erfolglosem Ergründen der Duftquelle leicht verlegen, mit süffisantem Blick, wissend und mildtätig duldend den Opa angeschaut. Das hat ihn nicht tangiert. Für seine Hunde wäre er durchs Feuer gegangen.
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